19. Mai 2026

Blick ins Depot 3 – 2026

Blick ins Depot 3 - 2026

Wallfahrtsfähnchen mit Druckstock

In jedem Quartal stellt das Niederrheinische Museum Kevelaer ein Objekt vor, welches sonst nicht in der Ausstellung zu finden ist. So können auch die reichen Depotbestände des Hauses Aufmerksamkeit finden.

In diesem Quartal stellen wir ein Wallfahrtsfähnchen mit dem zugehörigen Druckstock vor. Der Druckstock ist um 1760 entstanden und wurde aus Birnenholz gefertigt. Das Motiv wurde im 20. Jahrhundert auf Büttenpapier gedruckt. Das Motiv zeigt mittig die Kevelaerer Maria, sie wird von einem Mann und einer Frau angebetet. Aus der oberen Ecke des Bildes schwebt ein Engel mit einem unbeschriftetem Spruchband herab, jeweils rechts und links der Maria sind die Kevelaerer Gnadenkapelle und die Kerzenkapelle abgebildet. Es sind fünf Personen zu sehen, die sich auf einem Weg zur Kerzenkapelle befinden, vielleicht bilden sie eine Pilgergruppe ab.Bei dem Druck handelt es sich vermutlich um einen Fahnenabzug, auch Bürstenabzug genannt. Das bedeutet, dass der Abzug nicht mit Hilfe einer Presse erstellt wurde, sondern das Papier auf den Druckstock gelegt wurde und mit einem Pinsel so angerieben wurde, dass das Motiv sich übertragen konnte. Üblicherweise wurde diese Methode zum Überprüfen eines Motivs angewendet, und sie könnte auch der Grund dafür sein, dass das friesartige Randornament nicht vollständig gedruckt ist. Das schwarz gedruckte Motiv wurde nachträglich händisch in orange, gelb und grün koloriert.

Seit dem Mittelalter werden Zeichen der besuchten Heiligen zum Andenken und als Schutz auf der Heimreise vom Pilger- oder Wallfahrtsort mitgenommen. Während diese Andenken zunächst oft kleine metallene Symbole waren, die beispielweise an den Hut genährt werden konnten, wurden diese ab dem späten 15. Jahrhundert mit Aufkommen des Holzschnitts als Technik der Serienproduktion regional zunehmend durch Papierfähnchen abgelöst.

Verwandte Artikel